Eigentümerstandortgemeinschaft (ESG) Sonnenberg gegründet

Als Interessensvertretung der Eigentümer des südlichen Sonnenbergs im Gebiet „Konserviertes StadtQuartier (KSQ“ wurde die Eigentümerstandortgemeinschaft (ESG) Sonnenberg e.V. gegründet. Dieses Gebiet ist geprägt durch einen Strukturwandel, der zu Abwanderungen und verminderter Investitionstätigkeit führte. Wenn die meisten Eigentümer nur noch verkaufen wollen oder resigniert haben, stellt sich eine Pattsituation ein, aus der keine Entwicklung möglich ist. Diese Situation wurde erkannt und geändert, indem das Gebiet 2008 durch die Stadt Chemnitz zum Sanierungsgebiet ausgewiesen wurde. Zusätzlich greift seit 2010 das Projekt „Konserviertes StadtQuartier“ der Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundes und EFRE sowie der Stadt Chemnitz, das durch den Verein StadtHalten Chemnitz e.V. entwickelt wurde.

Inzwischen zeichnet sich eine Wende ab. Aus einem traditionellen Arbeiterbezirk aus der Gründerzeit entwickelt sich ein Viertel, das von zunehmend mehr Studenten, Kreativen, jungen Familien und Alleinstehenden entdeckt wird. Die ESG Sonnenberg will an diese Entwicklung anknüpfen, gemeinsam gegen dem Werteverlust der Immobilien entgegentreten und die Qualität des öffentlichen Raums wieder zu stärken. Mit jeder Verbesserung der eigenen Immobilie erfährt auch das gesamte Quartier eine Aufwertung, von der die Eigentümer langfristig profitieren. Durch die Vernetzung der beteiligten Eigentümer sollen Kooperationen entsprechende Synergieeffekte erzielen.

Konkrete Maßnahmen sind:

a) Eigentümer- und Nutzerdialog:
•    Wissensvermittlung und Austausch zwischen den Beteiligten und zur lokalen Abstimmung
•    Tagungen und Veranstaltungen (z.B. zu Leitthemen, Expertenvorträge)

b) Immobilienberatung:
•    individuelle Beratungsleistungen für Eigentümer
•    Abstimmung auf lokale Verhältnisse

c) Immobilienmanagement:
•    aktive Maßnahmen zur Beseitigung und Vermeidung von Leerständen
•    Aktivierung von Zwischennutzern und Existenzgründern

d) Bestandsqualifizierung:
•    Beratung und Qualifizierung von gewerblichen Nutzern und Mietern

Zusammenarbeit von Eigentümern

Die Eigentümerstandortgemeinschaft ist eine mögliche Form des Zusammenschlusses verschiedener Eigentümer in einem Quartier oder einem begrenzten Gebiet mit dem Ziel, durch gemeinsame Maßnahmen die Verwertungschancen ihrer Immobilien zu verbessern. Die Handlungsfelder einer ESG sind vielfältig. Zunächst geht es darum, gemeinsame Interessen zu definieren. Diese liegen vor allem in der Aufwertung des Stadtteils, des Blocks oder der Straße. Wichtig ist für die Eigentümer die Aufwertung des unmittelbaren Umfelds ihrer Immobilien. Mögliche Handlungsfelder für eine ESG können sein:

  • Aufwertung des Wohnumfeldes

–    Aufräumaktionen
–    Patenschaften für Spielplätze
–    Einforderung der besseren Pflege des öffentlichen Raums gegenüber der Stadt
–    Pflanzaktionen, Stadtgärten

  • (Wieder-) Nutzung von brachen

–    Bau und Bewirtschaftung von Spielplätzen
–    Zwischennutzungen
–    Temporäre Gestaltungen
–    Investorensuche

Verbesserung der Verkehrs- und Parkplatzsituation
–    Neubau von Parkplätzen (gemeinsamer Ankauf von Grundstücken)
–    Neugestaltung von Parkplätzen im Innenhof
–    Verkehrsberuhigung
–    Einflussnahme auf Verkehrsplanung und –lenkung der Stadt (z.B. Einbahstraßenregelung)

  • Imageverbesserung und Öffentlichkeitsarbeit

–    Gemeinsamer Internetauftritt
–    „Markenbildung“
–    Quartierszeitung
–    Kunstaktionen
–    Größere Wahrnehmung bei anderen Akteuren (Lobbyarbeit)

  • Aufwertung von Blockinnebereichen

–    Abgestimmte Konzepte zur individuellen/gemeinsamen Umgestaltung
–    Schaffung gemeinsam nutzbarer grün- und Spielflächen
–    Anlegen von Mietergärten

  • Modernisierung und Umbau von Immobilien

–    Abgestimmte Fassadensanierung
–    Gemeinsamer Materialeinkauf
–    Gemeinsamer Aufkauf und Modernisierung verwahrloster Immobilien

  • Immobilienbewirtschaftung

–    Gemeinsame Vermarktung (z. B. Website, Anzeigen, Internetwerbung)
–    Kostenvorteile durch gemeinsame Bewirtschaftung (z.B. Winterdienst)
–    Ansprache von bestimmten Zielgruppen (z.B. Familien, Senioren, Studenten)
–    Konzepte zur Nutzung leerstehender Gewerbe-/Ladeneinheiten

  • Mobilisierung neuer Eigentümer und Investoren

–    Gegenseitige Unterstützung beim Verkauf von Immobilien
–    Ansprache neuer Investoren
–    Nutzung privater Netzwerke und Kontakte
–    Visualisierung von Nutzungs- und Gestaltungskonzepten
–    Beratung von Baugemeinschaften

Quelle: BMVBS (Hg.), Leitfaden Eigentümerstandortgemeinschaften, 2011

Die Entwicklung der Eigentümerstandortgemeinschaft (ESG) Sonneberg

Das Quartier KSQ
Die ESG hat sich aus dem Eigentümerstammtisch und den Treffen der Standortinitiative Sonnenberg gebildet. Das zentrale gemeinsame Anliegen der Eigentümer ist es, den sehr guten innerstädtischen Standort (Hanglage, Südausrichtung, geschlossene Blockbebauung aus der Gründerzeit, vorwiegend noch gute Altsubstanz) zu einem attraktiven Wohnstandort zu entwickeln. Durch viele gemeinsame Treffen wurde die Erkenntnis gewonnen, dass eine solche Entwicklung Zeit braucht und dass es vorteilhaft ist, auf bestimmten Gebieten zusammen zu arbeiten. Der erste Workshop für Eigentümer fand bereits im April 2010 statt. Einig sind sich die Eigentümer darin, dass das Projektgebiet „Konserviertes StadtQuartier“ am südlichen Sonnenberg entwicklungs- und zukunftsfähig ist.

StadtHalten als Moderator
Als Moderator und Begleiter der ESG ist der Verein StadtHalten Chemnitz e.V. aktiv, der dabei von der Stadt Chemnitz finanziell unterstützt wird. Als Moderator setzt sich der Verein für die Interessen der Eigentümer ein und versteht sich dabei als Vermittler zwischen Kommune, Eigentümern und anderen Akteuren im Stadtteil. Außerdem stellt StadtHalten die Verbindung zum Stadtteilmanagement und den verschieden stadtteilbezogenen Projekten her und betreut den monatlich stattfindenden Eigentümerstammtisch.

Kontakte und Vernetzung
In die bisherigen Aktivitäten wurden Vertreter der kommunalen Verwaltung, des kommunalen Wohnungsunternehmens GGG und der Wohnungsgenossenschaft SWG einbezogen. Sie waren an den gemeinsamen Treffen meistens beteiligt. Der Kontakt zwischen dem Wohnungsunternehmen und den EIgentümern ist deshalb besonders wichtig, weil in der Vergangeheit die Interessen teilweise entgegengesetzt waren und sich Konfliktpotential aufgestaut hatte. Auch heute noch gibt es unterschiedliche Ansätze, allerdings auch viele gemeinsame Kontakte und Absprachen, was eine positive Entwicklung ist.

Die Vision: Bewohnermix im zukünftigen „Kreativen StadtQuartier“ (KSQ)
Die gemeinsame Vision der Eigentümer, der Stadt und der Akteure im Stadtteil ist ein lebendiger Wohnstandort mit vielen unterschiedlichen Bewohnern aus allen Schichten, vor allem Kreative, Studenten, junge Familien, aber auch Senioren und Singles. Die Unterschiedlichkeit kommt auch in den vielschichtigen Projekten und Vorgehensweisen der Eigentümer zum Ausdruck. So wird genauso nach Investoren für höherwertige Sanierungen gesucht wie Zwischennutzungsprojekte zum altenativen Wohnen oder als Wächterhäuser entwickelt.  In einem Punkt sind sich die Eigentümer einig: es gibt keine homogene Zielgruppe, sondern „Die Mischung macht’s“ – wie es in einem Slogan im Stadtteil heißt und das soll sich auch in der Bewohnerschft niederschlagen. Aus dem „Konservierten StadtQuartier“ von Chemnitz.

Sichtbare Erfolge
Als erste Maßnahmen wurden von den Eigentümern niedrigschwellige Projkete angegangen. Angefangen beim ersten Wächterhaus in der Stadt wurden auch andere Eigentümer angeregt, auf „kleiner Flamme“ anzufangen. Häuser werden wieder ans Versorgungsnetz angeschlossen und „geöffnet“, Jugendliche wohnen in einem alternativen Wohnprojekt zusammen, Studenterichten sichgemeinsam mit dem EIgentümer ein ganzes Haus her und bilden eine große Studenten-Kommune, andere entwickeln Selbstausbauhäuser und Projekte für Baugruppen.

Von Problemen zu Zielen und Strategien
Die ersten Entwicklungen täuschen nicht darüber hinweg, dass der Hauptteil der Entwicklung noch vor uns liegt. Noch herrschen die Problemlagen vor, die vor allem in der Verkehrssituation auf der Zietenstraße, dem nach wie vor hohen Leerstand, den niedrigen Verkaufs- und Vermietungspreisen sowie der Bewohnerstruktur bestehen. Aber aus diesen Problemfelder werden die ersten Strategien und Ziele deutlich. Aus den niedrigen Kaufpreisen entwickeln sich Chancen für Investoren und Eigennutzer sowie für kreative Projekte, aus dem Leerstand Entwicklungspotential, das es sonst in der Stadt kaum noch gibt. Für die verkehrs- und lärmbelastete Zietenstraße wurde eine erste Planung zur Gestaltung und Beruhigung erarbeitet.

Städtebauförderung durch Verfügungsfonds
Manche Fördermöglichkeiten lassen sich nur durch Zusammenarbeit und Kooperation nutzen, z. B. der Einsatz von Verfügungsfonds, der seit der Verwaltungsvereinbarung (VV) Städtebauförderung 2010 in allen Städtebauförderprogrammen möglich ist. Die Finanzierung erfolgt zu 50% aus Mitteln der Städtebauförderung und zu mind 50% aus privaten Mitteln.

Koopertionen, Netzwerke
Die ESG wird in ihrem weiteren Aufbau Kooperationen und Netzwerke mit allen Akteuren im Stadtteil und darüber hinaus anstreben, die den Interessen der Eigentümer nützlich sind. Dies betrifft insbesondere die Kooperationen mit Finanzierungsinstituten, der Stadt, den Eigentümervereinen und den Stadtteilakteuren. Sie unterstützt soziale und kulturelle Projekte und Maßnahmen, die zur Imageverbesserung des Stadtteils beitragen.

Eigentümergemeinschaft Sonnenberg e.V.
Zietenstr. 40
09130 Chemnitz
Frau Albrecht
Telefon 0371-4817581

Quelle: BMVBS (Hg.), Leitfaden Eigentümerstandortgemeinschaften, 2011