Soziales Wohnhaus

Soziales Wohnhaus – ein Konzept

In der Stadt Chemnitz gibt es zahlreiche Wohngebäude, die leer stehen. Ein Großteil dieser Gebäude steht auch zum Verkauf. Auf der anderen Seite gibt es einen Kreis von Wohnungssuchenden, für die entsprechende Angebote nicht oder nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind. Hierbei handelt es sich um Personen, die in einer bestimmten Umgebung beziehungsweise mit bestimmten Dienstleistungen untergebracht werden müssen. Diese Personen beanspruchen in der Regel soziale Dienstleistungen und /oder stehen unter rechtlicher Betreuung. Ein Teil dieses Personenkreises wird vom normalen Wohnungsmarkt als problematisch eingestuft. Tatsächlich ist es allerdings so, dass aber ein Großteil dieser Personen als verlässliche Mietvertragspartner angesehen werden können. Die Grundidee besteht in dieser Konzeption darin, die Interessen der Wohnungswirtschaft und des o. g. Personenkreises aus dem Sozialbereich zu harmonisieren.

Die Schaffung bzw. Bereitstellung von Wohnraum für Personen, die auf dem „normalen“ Wohnungsmarkt schwer oder keinen Wohnraum finden, stellt eine immer größere soziale Aufgabe dar. Hierfür müssen in der Kooperation zwischen Wohnungswirtschaft und öffentlichen Trägern neue Wege gefunden und Konzepte entwickelt werden. Einerseits sollen die sozialen Lasten gesenkt werden, andererseits besteht bei einem schwachen Mietermarkt und einem Überhang an Wohnungsangebot auch von Seiten der Vermieter ein Interesse, neue Mieterschichten zu erschließen.

Ziel sollte es sein, geeignete, meist leer stehende Immobilien einer Nutzung zuzuführen. Für diese Immobilen soll jeweils ein entsprechendes Nutzungskonzept entwickelt werden, wie der zuvor genannte Personenkreis dort untergebracht werden kann. Im Projektgebiet „Konserviertes StadtQuartier“ auf dem Sonnenberg gibt es Objekte, die diesen Anforderungen entsprechen. Die Eigentümer können jedoch zum großen Teil nicht die notwendigen Mittel für eine Sanierung aufbringen. Hier müssen unterstützende Maßnahmen wie Arbeits- und Qualifizierungsprojekte, Förderdarlehen, Zuschüsse koordiniert und gebündelt werden. Entsprechenden Trägern müssen von den Eigentümern langfristige Nutzungsrechte übertragen oder entsprechende sozial verträgliche Mietkonditionen garantiert werden, die eine Betreuung einschließen können. Ebenfalls muss ein Fond gebildet werden, aus dem entstandene Schäden, Mieterwechsel und Renovierungen bezahlt werden können.

Erforderlich ist zudem, in den Immobilien Gemeinschaftsräume, Räume für soziale Dienstleister und Betreuer bereit zu stellen und eine Struktur zu schaffen, die den jeweiligen Erfordernissen gerecht werden.

Vorteil „Vermieter“

Die Vermietung an Personen, die einer Betreuung unterliegen, gibt Mietsicherheit, weil die Mieten direkt vom Amt oder vom Betreuer überwiesen werden. Durch den angezeigten großen Bedarf solcher Wohnungen ist hohe Gebäudebelegung sichergestellt. Das integrierte Betreuungskonzept schützt vor Konflikten und trägt zur Stabilisierung der Mietergemeinschaft bei. Außerdem werden die Wohnungen und das Haus betreut und Schäden minimiert.

Vorteil „Mieter“

Die Mieter leben in ihren eigenen Wohnung, ggf. in Wohngemeinschaften, können also ein selbständiges Leben führen. Trotzdem gibt ihnen die Betreuung den notwendigen Halt, problematische Situationen, Überlastungen und Schwierigkeiten zu überwinden. Einigen Bewohnern wird es dadurch gelingen, ihre soziale Lage zu verändern. Angepasste Wohnstrukturen können auch so genannten Problemfällen, z.B. Mietern mit psychischen Störungen etc., neue Wohnformen eröffnen.

Vorteil Betreuer / soziale Dienstleister

Die Unterbringung in sozialen Wohnprojekten mit weitestgehender Selbständigkeit entlastet soziale Dienstleister zeitlich und finanziell. Der Betreuungsaufwand wird geringer und kann den individuellen Verhältnissen angepasst werden. Die Bündelung der Aufgaben durch das gemeinschaftliche Wohnen minimiert den Zeitaufwand der Betreuer.